Geschichte
Kräuteranbau in einer fast vergessenen Region: Wie alles begann
Der Landkreis Ostvorpommern liegt am süd-östlichen Rand der Ostseeküste, nahe der
Grenze zu Polen, und ist eine der so genannten "strukturschwachen" Regionen in Deutschland. Für die ländliche Gemeinde Pulow bedeutete das in den 90er Jahren eine Arbeitslosigkeit von ca. 70%.
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Anfang der 90-er Jahre gründeten engagierte Einwohner und Einwohnerinnen in Pulow den Verein Natur und Kultur e.V., den Vorläufer des späteren Mirabell e.V. Gemeinsam pflanzten sie junge Edelmirabellen an die alte Mirabellenallee zwischen Pulow und Lassan und legten im Ortsteil Papendorf einen Kräutergarten an. Der damalige Gemeinderat stellte dafür ein Grundstück zur Verfügung. Vereinsmitglieder knüpften Kontakte zu öffentlichen Stellen und dem Arbeitsamt, das die Aktivitäten Mitte und Ende der 90-er Jahre mit der Bewilligung von AB-Maßnahmen unterstützte, in denen viele Einwohner und Einwohnerinnen der Gemeinde einen Arbeitsplatz fanden.
Im Sommer 1999 übernahmen wir, vier Mitglieder des Mirabell e.V. als Projektteam die Aufgabe, mit dem großflächigen Kräuteranbau zu beginnen und die Gründung eines Unternehmens vorzubereiten. Als Team planten wir den Anbau und die Verarbeitung von Kräutern, erforschten den Markt für Öko-Kräuter und ließen die gepachteten Flächen vom Anbauverband Gäa und der EU-Kontrollstelle Grünstempel für den ökologischen Anbau zertifizieren. Begleitet wurde unser Engagement von vielen Menschen, die unser Projekt unterstützten.
Im Frühjahr 2000 ging es dann los: Wir säten Küchenkräuter, Ringelblumen und Kornblumen aus, setzten das erste Feld Zitronenmelisse und pflanzten Hunderte von Johannisbeerbüschen. Schon im Sommer konnten wir zusammen mit vielen Helferinnen und Helfern die ersten Kräuter und Blüten ernten. Selbstgebaute Horden und Trocknungskästen nahmen die Ernte an Blüten und Blättern auf. Im Spätsommer konnten wir dann die erste größere Trocknungsanlage bauen, u.a. mit Unterstützung des Umweltministeriums Schwerin im Rahmen der Agenda 21.
Unser zweites Standbein wurde die Verarbeitung der Kräuter zu eigenen Produkten. Wir entwickelten im ersten Sommer eigene Rezepte für Fruchtaufstriche und Chutneys, Kräuterteemischungen und Trinksirup. Dabei übernahm die Mosterei D. Nowack in Lassan das Ansetzen und Abfüllen der Trinksirupe. Nach den ersten positiven Erfahrungen mit dem Verkauf auf regionalen Märkten fühlten wir uns ermutigt, die Existenzgründung definitiv zu wagen.
Am 4. Juli 2001 gründeten wir in Pulow die Produktivgenossenschaft Kräutergarten Pommerland eG und sind seit Ende 2001 beim Amtsgericht Stralsund als Genossenschaft eingetragen und werden vom GVN als Prüfverband vertreten.
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Die ersten Jahre sind vergangen....
Seit fünf Jahre wirtschaften wir nun als Kräutergenossenschaft in Pulow. Die vielen kleinen Felder, die wir am Anfang in mehreren Dörfern verstreut beackert haben, liegen jetzt fast alle in Pulow. Hier blühen die Ringelblumen und Kornblumen, wachsen Melisse, Malve und Pfefferminze, insgesamt fünfzehn verschiedene Kräuterkulturen.
In der Feldarbeit ist nach wie vor viel Handarbeit beim Hacken, Jäten und Ernten vonnöten. Das Feld- und Gartenteam wird dabei von der Freiberger Kaltblutsstute Merle unterstützt, die den Boden pflügt und eggt. Natürlich haben wir auch einen Traktor für die großen Flächen und einen Mählader, mit dem wir die Blattkulturen ernten können. Die Blüten werden jedoch immer noch mit der Hand gepflückt, und einige Kräuter sammeln wir wild in zertifizierten Sammelgebieten wie Holunder, Johanniskraut und Schafgarbe. Dabei helfen uns den ganzen Sommer über viele jüngere und ältere Praktikantinnen und Praktikanten.
Gemeinsam mit dem Mirabell e.V. haben wir 2004 die alte LPG-Anlage am Rande des Dorfes erwerben können, die gerade mit Wasser, Strom, Abwasser erschlossen wird. Jetzt bauen wir Schritt für Schritt einen alten Stall zur Betriebsanlage aus unsere bisherigen Kapazitäten reichen schon heute bei weitem nicht mehr aus. Auch unser Büro haben wir in die LPG-Anlage verlegt. Im Sommer 2006 konnten wir eine neue Luftentfeuchtungsanlage bauen, in der wir große Mengen Kräuter und Blüten schonend trocknen können, d.h. nicht mit Hitze, sondern durch den Entzug der Feuchtigkeit trocknen. So behalten die Kräuter ihre Farbe und ätherischen Öle. Gleichzeitig sind zwei neu ausgebaute Teeräume, in denen die Kräuter von Hand gemischt und abgefüllt werden, neu entstanden und das größer gewordene Lager für Kräuter.
Heute verkaufen wir unsere bunten Kräutertees über den Naturkostgroßhandel, mit Schwerpunkt in Nord- und Ostdeutschland, aber auch im Direktvertrieb an Bioläden oder auf direkte Bestellung.





